Metamorphosen

Aquarellkreide auf Aquarellpapier

Ich habe es schon wieder nicht geschafft
Und werde meinen Leichtsinn sicher büßen.
Metamorphosen zeigen ihre Kraft,
Der alte Apuleius lässt mich grüßen.

Der kleine Hund studierte seine Tricks,
Fiel auf den Rücken, brav und unterwürfig,
Bekam für seinen Zirkus einen Mix
Aus Lust und Spiel, nach Billigung bedürftig.

Und während dessen, tief in einer Gruft,
Das Katzenwesen mit den grünen Augen
War auf dem Sprung und schnupperte die Luft –
Die roch nach Zukunft und nach Freiheitsdroge.

Der Wandel war bereits vorprogrammiert:
Der Wirt unfähig auf Befehl zu lieben.
Der Hund nun weg, die Katze ist geblieben
Genau sowie die Sehnsucht bleiben wird.

Ein trauriges und altbekanntes Lied
Von meiner Neigung zu den beiden Tieren.
Ich danke trotzdem meinem Schicksals Schmidt
Dafür, dass ich zum Esel nicht mutiere.

Ein Rendezvous

Ein kurzer Rock, ein neuer flotter Haarschnitt,
Geschminkt, gesteilt, ein tiefes Dekolleté –
Ich sehe aus, ganz ehrlich, zum Vernaschen,
Bereit für ein gewagtes tête-à-tête.
Doch du fängst eine Fachdebatte an,
Zum Flirten höchstwahrscheinlich zu profan!

Im Vorgenuss der innigen Momente
Bin ich besinnlich-weiblich und adrett.
Ich mache dir geschickte Komplemente
Und finde mich schon selbst unglaublich nett!
Doch du bleibst unbeeindruckt und trinkst Bier.
Vielleicht sind Frauen gar nicht dein Revier?

Ich winde mich im Tanz wie eine Schlange,
Ich fühle mich so sexy und scharmant
Und schau‘ dir in die Augen tief und lange,
Doch du verhältst dich wie ein Dilettant.
Bist du ein Snob der supercoolen Sorte
Oder vielleicht bereits a bit „importent“?

So langsam platzt mir der fiktive Kragen
Und meine engelsartige Geduld.
Bist du halbblind und ist an dem Versagen
Nur deine schlecht justierte Brille schuld?
Ich haue ab – es ist nicht auszuhalten
Dein unbelehrbar spießiges Verhalten.

16.03.2017

Mein Avatar

Bevor wir wussten, dass wir uns nicht lieben,
Und dachten, es genüge nur zu üben
In Sachen Nachsicht, Huld und Toleranz,
Verloren meine Augen ihren Glanz,
Das brave Herz die Freude am Geschehen.
Es war zu spät, um Wunden zuzunähen,
Die uns das Leben sinnlos zugeteilt.
Zu viele Schmerzen machen uns nicht weise,
Nur schwach und ängstlich, müde und abweisend.
Und keiner hat den anderen geheilt.

Und während dessen eine Orchidee,
Mein glücklicher und stolzer Avatar,
Verspielt, kokett, bewundernd und begehrend,
Erblühte schon das dritte Mal im Jahr.

15.03.2017

Zu viel der Fron

Zu viel der Fron, um irgendwann zu sterben.
Das Melodrama folgt der Parodie.
Wozu das Bangen und nach Ausgleich streben?
Zum Schluss verbleiben immer nur die Scherben
Der Selbstbetörung oder nicht mal die.

Erscheinen wertlos die erfüllten Wünsche,
Ambitionen, Träume, Intellekt,
Für die wir uns ein halbes Leben lynchen.
Der Sinn des Lebens wie der Code da Vinci
Bleibt für die meisten leider unentdeckt.

Die Bilder der Erinnerung verblassen –
Der Geist befreit die Seele vom Gefühl,
Um leichter alle Seile loszulassen
Zu dem, was wir noch lieben oder hassen –
Der weisen Schöpfung Gnade und Kalkül.

Die feuchte warme Windel wird empfunden
So angenehm, wie einst im Mutterbauch,
Der Durst gestillt, der Hunger überwunden.
Mit Morphium das Ganze abgerundet
Verschwinden wir für immer, wie ein Hauch.

Was für ein Hohn, Verleugnung und Vergeudung
Der seelischen und schöpferischen Kraft,
Der Selbsterkennung und der hellen Freude
Am Perlenspiel im weltlichen Gebäude,
Wenn vorne nur der Todesrachen klafft.

09.03.2017

What the fuck!

Bei diesem Wetter sollte man nicht sterben,
Wenn man die Nächsten nur ein bisschen mag
Und wenn man weiß, es gib nicht viel zu erben
Für Schlotternde an deinem Sarkophag.

Bei diesem Wetter sollte man erwägen
Die Möglichkeit der Flucht nach Paraguay.
Fünf lange Wochen Kälte, Wind und Regen –
Der Wetterfrosch ist nun ein Papagei.

Und wenn ich könnte, würde ich ihn töten
Für einen warmen sonnenklaren Tag.
Jedoch als Pazifist bin ich genötigt
Mit Gänsehaut zu leben. What the fuck!

08.03.2017

Женщине

Appropriation Art

Appropriation Art, Fotokopie
( Da Vinci,“ Dame mit dem Hermelin“; Gustav Klimt “ The Kiss“)

Твоими бы устами да мёд пить,
Твоими бы руками лишь творить,
Творить добро, и в назиданье миру
Любовь мою распять и воскресить,
И как тебя безумно не любить
И как не сотворить себе кумира.

Как много может выразить твой взгляд,
Глаза твои с моими говорят –
Им не к чему словесная обуза.
Но я поэт и строк послушный ряд
Дарю тебе, как праздничный наряд.
Прости меня за многословье музы.

Когда твоих касаюсь чутких губ,
Когда бываю одержимо-груб,
Любимая, я свят тобой и грешен.
Согрет твоей целительной рукой,
Я верю, что на свете есть покой.
А без тебя я просто безутешен.

Pardon

Ich weiß, dass ich dich glücklich machen könnte.
Ein Pech, dass du nicht glücklich werden willst.
Und von dem Pech die unerhörte Pointe,
Dass du woanders deine Sehnsucht stillst.

Wie kannst du es nur wagen?! (O, Pardon!
Bin abgerutscht in einen barschen Ton.)

Ich weiß, ich habe ein geschicktes Händchen
Beim Nähen, Stricken, Kochen und nicht nur.
Am besten schmeckt mein mariniertes Hähnchen –
Du solltest es probieren, mon Amur.

(Pardon, in ein romantisches Gedicht
Gegrilltes Hähnchen passt nun wirklich nicht.)

Ich weiß, ich habe Glut in meinen Adern
Und könnte dich verführen jeden Tag.
Doch eigentlich bin ich mir fast zu schade
Für jemanden, der keine Hähnchen mag.

(Pardon, das letzte Hähnchen bin nicht ich.
Gemeint ist das gegrillte lediglich.)

01.03.2017

Ich brauche dich

Ich brauche dich. Genug der Lügen –
Ich möchte wissen wie es ist,
Entspannt auf deinem Bauch zu liegen
Wenn draußen dunkel, kalt und trist.

Ich möchte wissen, wie es wäre
Mit dir zusammen unterwegs
Den warmen Wind des Mittelmeeres
Zu atmen, glücklich und relax.

Den ganzen Abend durchzutanzen,
Betrunken von Musik und Wein,
Von peinlich-schnulzigen Romanzen
Sentimental berührt zu sein

Und wie von einem Troll besessen
Zu lachen. Und von dir geweckt,
Zum Frühstück Erdbeereis zu essen.
Ich möchte wissen, was dir schmeckt,

All deine Stärken und die Schwächen,
Und ob ich dir vertrauen kann,
Um ohne Zweifel auszusprechen:
Mein Freund, mein Einziger, mein Mann.

25.02.2017
(Illustriert von Lilija Grieger)

So wohne ich

Ich hänge nicht an Gegenständen,
War nie für Spießigkeit bekannt,
Doch diese vier geliebten Wände,
Mein Paradies am Straßenrand,

Wo Jung und Alt, wo Hund und Katze
So leben kann, wie ihm begehrt,
Ist mir wohl doch ans Herz gewachsen
Und war der ganzen Mühe wert.

Hier wohnt mein Sofa – mein Komplize –
Uns beiden steht die Farbe Rot –
Versteht er mich zu unterstützen
In guten Zeiten und in Not.

Mein Wertester, bezahlt in Raten,
Mit bunten Kissen schön verziert.
Er würde niemandem verraten,
Was hier gelegentlich passiert.

Direkt daneben – Panasonic –
Zur Außenwelt die schmale Tür.
Sehr unterhaltsam, Zweifel ohne,
Doch leider tanzt er nicht mit mir.

Gleich um die Ecke – mein Verführer,
Im Haus – der einzige Tyrann:
Ein Kühlschrank Kaste Unberührbar –
Ab 19 Uhr darf ich nicht ran!

Die Palme wie ein Irokese,
Sechs Stühle mit dem Drachen drauf.
Ein alter trauriger Chinese
Hat sie geboten zum Verkauf.

Gezähmte wilde Orchideen,
So selbstverliebt und unverschämt,
Verkörpern bildlich die Idee:
Es lebt sich wohliger gezähmt.

Der holden Königin Geschwister,
Gemalt in Technik Aquarell,
Sich hier für immer eingenistet,
Gestalten Räume farbig-hell.

In jedem Zimmer hängen Spiegel.
Die eitlen Biester sind gemein.
Ich werde sie demnächst verriegeln –
So viel Kritik verträgt kein Schwein!

Der stolze Inhalt eines Bildes,
Ein Löwe schützt mein Schlafrevier.
So hab‘ ich immer etwas Wildes
Wenn nicht im Bett, dann über mir.

Noch mehr Details – muss keiner wissen,
Das Thema wechseln wir diskret.
(Denn niemand sollte hier vermissen
Den Anstand sowie Etikett.)

Dann gibt es noch die vielen Bücher –
Den sehr persönlichen Bereich.
Bin in Gesellschaft toter Dichter
Und fühle mich an Freunden reich.

Die lebenden sind auch willkommen.
Der Garten lockt uns an die Luft.
Und macht gesellig und benommen
Mit kalten Drinks und Rosenduft.

Ich weiß, mein Leben ist kein Märchen,
Mein Haus kein Schloss und dann und wann
Pellt ab und krächzt das alte Möhrchen.
Ich pflege es, so gut ich kann.

Und würde es bestimmt nicht tauschen,
Wer immer Ansprüche erhebt.
Den kalten Glanz bereits erlebt,
Las‘ ich mich nochmal nicht berauschen.