Die Unabhängigkeit (eine kurze Fabel)

Die Unabhängigkeit war sichtbar überrascht,
Als sie sich sah, Entschuldigung, im A…
Und suchte ganz verzweifelt irgendwen
Mit altruistischen Prinzipien.
Gelingt es ihr, denjenigen zu finden
In diesem dunklen Ort der bösen Winde?
Ich weiß es nicht. Ich bin kein Proktologe.
Doch scheint mir die Begegnung ziemlich logisch.

10.02.2017

Freiheit und Einsicht (Fabel)

Es lebten einst zwei einflussreiche Schwestern.
Die Freiheit war rebellisch und naiv
Und glaubte an den edlen Traum von gestern
Als man sie noch zu Barrikaden rief.
Sie pochte immerzu auf ihre Rechte,
Hat über Pflicht und Spießigkeit gelacht
Und ahnte nicht, wie viele lange Nächte
Ihr dummer Stolz die Menschen einsam macht.

Die Einsicht war die älteste von beiden
Besaß Verstand, Geduld, Vernunft und Fleiß.
Die Weisheit half ihr weniger zu leiden,
Die Demut abverlangte ihren Preis.
Sie schätzte Freundschaft und die wahre Liebe
Und führte die Erziehungsarbeit aus.
Die Wenigen, die trotzdem frei geblieben,
Bewahrte sie vor Zucht- und Irrenhaus.

Auf einen Frieden gab es keine Aussicht.
Von ihrer Unversöhnlichkeit bestürzt,
Vereinsamte die Freiheit ohne Einsicht,
Die brave Einsicht fühlte sich benutzt.
Für einen Geist sind beide von Bedeutung:
Vernunft und Feuer, Sachlichkeit und Glut.
Und wie es aussieht, leben sie noch heute
In meinem widersprüchlichen Gemüt.

09.02.2017

Das Wesen der Liebe

Was ist die Liebe? – streiten die Gemüter:
Ein starkes uns berauschendes Getränk?
Des Geistes Wahn oder des Herzens Güte?
Ein Ausfall? Eine Krankheit? Ein Geschenk?

Ich aber weiß – sie ist ein Lebewesen,
Ein Parasit, der immer größer wird.
Das klingt verrückt, doch bin ich auch gewesen
Des dreisten Gastes hilfsbereiter Wirt.

Der freche Zwerg, der sich zu helfen wusste
Und meine Schwächen kannte ziemlich gut,
Benötigte zum Leben mein Bewusstsein
Und saugte mir Hormone aus dem Blut.

Er wuchs sehr schnell und testete die Grenzen,
Tyrannisierte mich von früh bis spät
Und ohne Rücksicht auf die Konsequenzen
Bescherte mir die zweite Pubertät.

Die Welt war plötzlich rosig und verschwommen.
Hallo Verlangen und Ade Verstand!
Ich habe fünfzehn Kilo abgenommen,
Was, zugegeben, mir großartig stand.

Es ging so weit, dass dieser kleine Bastard
Das Recht auf meine Freiheiten erwarb.
So fühlte ich mich demgemäß entlastet
Als mein Bewohner eines Tages starb.

Die Liebe ist für mich ein Lebewesen.
Sie kommt und bleibt und stirbt wie es ihr passt.
Was allerdings nicht widerspricht der These:
So wie der Wirt, so sein erhoffter Gast.

06.02.2017

Die Nacht (Fabel)

Der helle Tag, verrückt vor Sorge,
Erzählte seinem Bruder Morgen,
Dass ihre Schwester, dunkle Nacht,
Wird bloßgestellt und ausgelacht.
Statt still und brav zu sein – mitnichten! –
Liebt sie Musik und bunte Lichter,
Trink literweise Bier und Rum
Und treibt sich in den Kneipen rum.
Dann diese peinlichen Exzesse
Und sexuellen Interessen,
Die Clubs, das Tanzen und der Suff –
Sie bringt sich selber in Verruf.

Der gute Morgen sprach verdrießlich:
Ich sollte sauer sein, denn schließlich
Hat diese kleine Schlampe Nacht
Mich heute um den Schlaf gebracht.
Das konnte ich vorher nicht ahnen,
Sonst würde ich sie schon ermahnen.
Doch gestern war ich lange weg –
Hab‘ die Australier geweckt.
Mit Bruder Abend sollst du sprechen –
Er nimmt sie meistens mit zum Zechen!

Ein Lebemann und faule Socke
Der jüngste Bruder sagte trocken
Als er das hörte: Tut mir leid,
Für sowas hab‘ ich keine Zeit.
Private wichtige Termine
Und schöne junge Konkubinen
Erwarten mich. Und wisst ihr was?
Die Nacht ist jung und braucht den Spaß
Ich bin kein Hüter alter Sitten
Und kein verdammter Babysitter.
Lasst die Vergnügte wie sie ist
Und kümmert euch um euren Misst.

So ist es oft: Der Tag hat Sorgen,
Verschiebt sie auf den nächsten Morgen.
Der Abend windet sich subtil
Und nur die Nacht macht was sie will.

04.02.2017

Die Party

Die Party ist vorbei. Da draußen wartet keiner.
Wenn doch, dann nicht in der geliebt-bekannten Form.
Es scheint, ich bin zum Schluss mit dieser Welt im Reinen,
Für anderen Bereich bestimmt zu wenig fromm.

Und wenn ich ehrlich bin, fällt es mir schwer zu glauben,
Dass für die Mühe hier, mich irgendwo ein Lohn
Erwartet. Hier und jetzt war ohne Wenn und Aber
Für meinen müden Geist die letzte Station.

Die Party ist vorbei. Es war nicht immer spannend,
Nicht alle Gäste nett, nicht immer amüsant
Und streckenweise fies, wie Pleiten, Pech und Pannen,
Als Schicksal oder Los gelegentlich bekannt.

Mein Auftritt in der Show verlief ganz gut im Ganzen,
Jedoch nicht immerfort in einem hohen Maß.
Ich akzeptierte die Plus-Minus Toleranzen
Und setzte oft im Spiel auf das verdammte Ass.

Verlor dabei mein Herz, den Glauben und die Träume,
Doch niemals den Verstand – ich mag ihn irgendwie.
Zusammen wollten wir die Pointe nicht versäumen
Von jedem neuen Tag der flinken Se la vie.

Und nun ist es vorbei, das aussichtslose Treiben,
Gesättigt und erschöpft die alte Partymaus.
Geliebter Regisseur, lass mich ein Bisschen bleiben
Ich schlafe meinen Rausch noch eine Weile aus.

31.01.2017

Ein guter Vorsatz

Wie egozentrisch sind doch manche Dichter!
Mit „manche“ mein‘ ich selbstverständlich mich.
Sogar wenn ich für dich Sonette dichte,
dann in Bezug auf mein verliebtes Ich.

So viele Wörter, die auf Ich sich reimen,
In deutscher Sprache gibt es leider nicht.
Es auszulöschen, so gesagt, im Keime,
Würde sich lohnen schon für das Gedicht.

Daher will ich (O Himmel! Nicht schon wieder!)
Großzügig, selbstlos und bescheiden sein.
Die Welt wird es bemerken und erwidern –
Sie dreht sich schließlich nur um mich allen!

27.01.2017

Psychotherapie

Gereimte Zeilen haben mehr Gewicht –
Das ist mir irgendwann mal aufgefallen.
Jetzt packe ich mein Grübeln ins Gedicht
Und tu‘ damit uns allen ein Gefallen.

Kein Feind wird mehr belästigt und kein Freund
Mit Themen, die nur mich interessieren,
Unnötig ist ein Psychotherapeut
Und stundenlanges stummes Meditieren.

So manche Sprüche bohren sich ins Ohr.
Ich forme sie zu frechen Epigrammen
Und komme mir so klug und weise vor
Wie Demokrit und Cicero zusammen.

Ob beim Spaziergang oder auf der Flucht
Vor ödem Alltag, Jambus und Choreus
Begleiten die von mir geliebte Sucht
Im Rhythmus meines flatterigen Egos.

Verliebt-verblödet und vor Sehnsucht krank,
Verfasse ich sentimentale Verse,
Verstecke sie, was meistens, Gott sei Dank,
Verhindert Missverständnisse diverse.

Zusammenbrüche, Zweifel und Burnout
Vermeiden lassen sich, ganz gut zuweilen,
Durch die Geburt gelungener Vierzeiler
(Für mich so wichtig wie das täglich Brot).

Es wirkt durchaus, das dichterische Gen,
wie eine Kur bei seelischen Problemen.
Was für ein kurioses Phänomen,
Dass Krankenkassen sie nicht übernehmen!

26.01.2017

Ich will, dass du mich kennst

Ich will, dass du mich kennst, warum auch immer,
Zu deinem Leben irgendwie gehören.
Gereimte Wörter landen im Gewimmer –
Ich kann sie selbst auf Dauer nicht mehr hören
Und werfe sie wie Perlen vor die Schweine
Ins Maul dem satten digitalen Werwolf –
So wenig sind sie mir inzwischen wertvoll.
Ihr Klang ist schnell im dunklen Raum verschollen.
Warum sollst du mich kennenlernen wollen?
Ich würde auch verzichten auf so eine.

25.01.2017

An den Januar

Herr Januar schreibt depressive Zeilen
Und ist bei mir als Dichter unten durch.
Schon wieder schildert er von Langeweile,
Von Kalt und Grau, von Tränen und von Furcht.

Es gab auch Zeiten, als wir beide, knackig,
Robust und frisch und voller Energie,
Und lustig wie die frechen Donkosaken,
Empfinden konnten ohne Nostalgie.

Wir liebten Bäume und verschneite Wege
Und Ausflüge bei Minus Dreißig Grad.
Lass mich in Ruhe, mürrischer Kollege,
Mit deinem rezidiven Plagiat.

Dein dekadenter Stil ist abgedroschen,
Vergleiche und Metapher ausgelutscht.
Ich bin gerade mit Gespann und Droschke
In meine frühe Kindheit ausgerutscht.

25.01.2017