Du kannst mich mal (Parodie)

Das Gedicht:

Du kannst mich mal an einem stillen Morgen
Mit einem Kaffee wecken, wenn du magst.
Erzähl‘ mir deinen Traum und deine Sorgen –
Ich nehme alles ernst, was du mir sagst.

Du kannst mich mal am Tag alleine lassen.
Ich schlendere gelegentlich verzückt
Durch Phantasie imaginäre Gassen
Und komme voller Eindrücke zurück.

Du kannst mich mal erheitern eines Abends.
Wie lange habe ich nicht mehr gelacht!
Wir sollten tanzen gehen, Freunde haben –
Für Zweisamkeit bleibt uns die ganze Nacht.

Doch wenn du vorhast nur an mir zu klammern
Und folgst besitzergreifend überall,
Erwarte keine Nachsicht, kein Erbarmen,
Ich sage irgendwann: Du kannst mich mal!


Parodie:

Du kannst mich mal an einem stillen Morgen
Mit Kaffee wecken und mit frischem Toast.
Und wenn du ernst nimmst alle meine Sorgen,
Dann hör‘ mir zu – ich brauche einen Trost!

Du kannst mich mal am Tag flanieren lassen
Perfekt gestylt, unwiderstehlich schick,
Mit deiner Visa-Karte durch die Gassen,
Da wo die Schuhgeschäfte und Butik.

Du kannst mich mal nach einer coolen Party
Nach Hause holen, wenn die Nacht vorbei.
Ich liebe Zeitvertreibe aller Arten
Und flirte gerne, wenn du nicht dabei.

Doch wenn du denkst, ich sei zu egozentrisch,
Ein unverschämtes und verwöhntes Biest,
Du kannst mich mal!  – Dann suche ich energisch
Rentableren Versorger als du bist.

Wenn der Gott romantisch wäre

Wenn der Gott romantisch wäre
Und gewollt, dass wir es sind,
Würde er uns schon erklären
Dessen Vorteil, Zweck und Sinn.

Und vor allem (in Vertrauen),
Warum hat er uns bestraft
Mit umständlicher Verdauung,
Gallenfluss und Magensaft?

Jedes Date ist eine Probe,
Jedes Blubberchen im Bauch,
Ob nach unten, ob nach oben,
Macht nervös. Der Hunger auch.

Pilze, Muscheln und Garnelen,
Kohlensäure, Alkohol
Sind beim Date nicht zu empfehlen.
Ganz verkehrt sind Lauch und Kohl.

Wäre kein so guter Anfang
Zur Toilette fünfter Gang.
Hilft da auch kein Sonnenaufgang
Und kein Sonnenuntergang.

Irgendwann kommt die Umarmung,
Was sich nicht vermeiden lässt.
Auf dem T-Shirt fehlt die Warnung:
Muffinshose sitzt zu fest!

Das war nur die halbe Miete.
Wollen die Verliebten mehr,
Fördert nicht die Zellulitis
Die Romantik beim Verkehr.

War der liebe Gott so grausam?
War das nur ein schlechter Scherz?
Warum hat er und die Flausen
Aus dem Kopf nicht ausgemerzt?

Oder wenigstens der Bibel
Einen Anhang zugefügt,
Wo es steht, wie man beim Lieben
Vorteilhaft-ästhetisch liegt.

Damals, als er uns versetzte,
Sprach er: „Geht und mehret euch!“
Kein Gerede über Kerzen.
Hipos paaren sich ja auch.

Wenn der Gott romantisch wäre,
Hätte er mit seiner Macht,
Uns von Sauerstoff ernährend
Und verdauungsfrei gemacht!

Vollmond

Die alten Menschen, Kinder, Streunerkatzen
Aus unbekannten Gründen mögen mich.
Im Himmel scheint des Vollmonds freche Schnauze.
Verdrängte Schuld und Sehnsucht melden sich.

Mir fehlt dein Schweigen. Mehr noch deine Hände
Und deine engelsartige Geduld.
Warum muss Liebe immer traurig enden?
Warum bin immer ich an allem schuld?

Über die Schwerkraft

Die Schwerkraft ist mein schlimmster Feind
Seitdem ich vierzig bin!
Es ist, als ob der Körper weint
Und fließt zum Boden hin.

Wenn ich beim Sport die Kerze mach‘,
Gefalle ich mir mehr:
Die Knie dünn, die Beine straff,
Die kleinen Kugeln nicht so schlaff,
Der Hintern nicht so schwer.

Es ist vielleicht ein bisschen dumm
(Als alte Schachtel andersrum)
So aus dem Haus zu treten…
Doch wenn es alle täten???

Gedanken am Strand

Was für ein schöner makelloser Körper!
Ich war nicht mal als Embryo so schlank.
Mir bleibt die Spucke weg und fehlen Worte
Die Hübsche zu beschreiben. Gott sei Dank
Bin ich hier nicht der einzige Vertreter
Der Fraktion mit gutem Appetit.
Der Maler Rubens würde mich anbeten,
Die alten Griechen und die Römer mit.
Den bösen Neid in Kürze überwunden
Ich füge mich der weisen Lektion:
Wer würde diese Grazie bewundern,
Wenn alle wären schlank und wunderschön?!

In der Taverne

An einer Kreuzung meines Lebensfades
Begrüßte mich ein herzlich-warmer Ort.
Olivenbäume – Stolz von Liapades
Seit Tausend Jahren vegetieren dort.

Über dem Kopf – laternengroße Sterne.
Sie zogen magisch zu sich meinen Blick.
In einer charismatischen Taverne
Klang jeden Abend griechische Musik.

Der weißen Oleander und der Rosen
Dezentes Düftchen schwängerte die Nacht.
Der Sänger sang ein Lied von Demis Roussos.
Es machte mich so sehnsüchtig danach,

Was nicht geschah, weil nicht so lebenswichtig,
Wonach mein Herz noch immer manchmal weint,
Und was die fröhlich-kauende Gesichter
Glückselig nicht vermissten, wie es scheint.

Die Wolkenbilder

Die Spitzen der Zypressen sind die Nadeln.
Die Hand des Windes führt sie ganz geschickt.
Für manchen Kenner etwas überladen
Wird über uns ein weißes Tuch gestickt.

Sekundenschnell entstehen aus der Wolle
Das Pudelköpfchen und Marilyn Monroe,
Der Weihnachtsmann in seiner neuen Rolle
Als Meeresgott, entspannt und lebensfroh.

Der Wind ist mit dem Bild nicht ganz zufrieden:
Ein Hauch zu kitschig und am Ziel vorbei.
Vom Tag erschöpft löscht er die Wolken müde
Und fängt von vorne an die Stickerei.

Die Vergänglichkeit

An einem Ort, wo jeder jeden grüßt
Und wo das Meer verliebt den Felsen küsst
Und schmiegt sich an an seine stolze Wange,
Empfand ich keinen Schmerz und kein Verlangen.

Was bringt uns diese Suche nach dem Glück?
Kaum angekommen, muss man schon zurück.
Wie diese Wellen mit gekrausten Lippen
Zerschellen Träume an den harten Klippen.

Doch irgendwas in meiner Seele drin
Bewegt mich auf die Suche nach dem Sinn
Und füllt mit Inhalt das zu kurze Leben.
Ich habe meinem Gott schon längst vergeben,
Dass ich so unvollkommen-sterblich bin.

Ein Morgen in Liapades

Der Wellenrausch, des Meeres frische Brise –
Auf diesen Wecker hab‘ ich keine Wut.
Die kleine Bucht, ein Klon des Paradieses,
Gelang dem ersten Künstler wirklich gut.

Der Spiegel grüßt mich mit entspannter Miene,
Die ich im Urlaub letztes Jahr vergaß.
Zum Frühstück kamen drei verspielte Bienen.
Wir essen Marmelade aus dem Glas.

Die eine Freche, allerdings gebildet,
Interessiert sich stark für mein Gedicht –
Ein Plagiat der wunderschönen Bilder
Aus einer menschlich eingeschränkten Sicht.

Konformist

Der neue Tag verhält sich wie ein Klon
Und fühlt sich an, als ob umsonst gegeben,
Wie eine abgespeckte Version
Von einem sinn- und werterfüllten Leben.

Es fehlt mir nichts. Vielleicht ist das der Grund
Für dieses mühsam-öde Zeitvertreiben.
Der träge Körper wie ein alter Hund
Wird ungeschickt, darf nur aus Gnade bleiben.

Der müde Geist begreift die Relevanz
Der ewigen Erneuerungsgesetze
Und bettelt nicht um Gunst und Toleranz
In einer Welt der digitalen Netze,
Der Kindle-Bücher, Notebooks und iPhones,
Der Fernsehshows und sterbenden Theater,
Der Amokläufer in Gestalt der Clowns,
Fanatiker und deren Attentate.

Ein Konformist, untätig und beschämt,
Unfähig einen Wandel anzustreben,
Ich fühle mich mitunter ziemlich fremd
In meinem angepassten schönen Leben.