Die Musik schweigt

Weniger Glück als Verstand,
Leider nicht umgekehrt.
Dein blindes Herz hat verkannt
Meiner Liebe Wert.
Taub, hat es nicht gehört
Meiner Stimme Klang,
Vorsichtig, abgewehrt
Der durstigen Seele Drang,
Verglich im pragmatischen Test
Zweier Herzen Frequenz,
Sachlich stellte es fest
Die peinliche Differenz
In Form einer schlichten Vier –
Mein Urteil und Ungeschick.
Wie ein verstummtes Klavier
Schweigt in mir die Musik.

Physiologisches

Der Mensch als solcher ist unappetitlich,
Die Models ausgenommen und vielleicht
Kleopatra und schöne Nefertete,
Obwohl auch diese hatten es nicht leicht,

Gemäß Geschichte. Doch zurück zum Thema.
Was hat sich die Natur dabei gedacht,
Als sie uns mit den peinlichen Problemen
Des Körpers in Verlegenheit gebracht!?

Wir werden älter, dicker, bei der Hitze,
Bei intensiver Arbeit und beim Sport
Verkleben uns die Haare und wir schwitzen,
Bekommen Pickel, Schuppen und so fort.

Unangenehm sind Tropfen aus der Nase,
Noch schlimmer, wenn kein Taschentuch zur Hand,
Wie furchtbar fühlt sich an die volle Blase
Im langen Stau ist jedermann bekannt.

Und das mit der Verdauung – ist doch Käse:
Zu kompliziert und menschenwürdig kaum.
Für die vorzügliche Fotosynthese
Beneide ich tagtäglich jeden Baum.

Die Welt der frischen Düfte mögen alle,
Von schönen Farben sind wir fasziniert.
Erzählt das nach dem Essen eurer Galle,
Die immerfort ihr „Kunstwerk“ produziert.

So stolz auf den Verstand und das Bewusstsein,
Auf scharfe Sinne und das Feingefühl,
Der Mensch als solcher ist und bleibt ein Pupser,
Des Universums kleines Molekül.

Eine kleine Spinnerei

Großer Geist, bewahre mich davor,
über einen Menschen zu urteilen,
ehe ich nicht eine Meile in seinen
Mokassins gegangen bin.
(Indianisches Sprichwort)

Wenn ich allmächtig wäre wie der liebe Gott,
Beziehungsweise wie die liebe Göttin,
So hätte ich dem Skeptiker zum Spott
Für einen Tag so Einige genötigt
Zu einem Tausch, zum Leben andersrum,
Um Abgestumpfte endlich aufzuwecken:
Die Reichen arm gemacht, die Klugen dumm,
Beschenkt die Schlanken mit massivem Becken;
Die Pummelchen bekämen den Appel,
Sich stundenlang beim Fitness abzurackern,
Die Egoisten mit dem dicken Fell
Verspürten Liebesschmerz und Herzens Flackern;
Ein arroganter weißer Idiot
Erführe die Probleme eines Schwarzen,
Herzloser Arzt – die Patienten Not,
Der Patient – die Grenzen eines Arztes;
Ein Hetero mutiere unverhofft
Zu einem sanften Homosexuellen…
Um Menschen zu verstehen, hilft es oft,
Den Durst zu stillen aus der selben Quelle.

Es hätte zweifellos nicht viel gebracht,
Sobald die alte Ordnung wieder käme,
Doch hätte ich zumindest viel gelacht
Bei dem Versuch die Menschen zu beschämen.

Abschied

Sie hat gewonnen. Sie ist besser,
Zumindest passender für dich.
Der Eifersucht gemeines Messer
Verpasst mir einen letzten Stich
Und weicht dem Stolz, der Frauenwürde
Und der pragmatischen Vernunft…

Wenn du nur endlich finden würdest
Für deine Sehnsucht Unterkunft.

Sein und Schein

Du fühlst dich alleine wohl? –
Dann bist du in guter Gesellschaft,
Dann musst du die Kunst nicht beherrschen,
Die Menschen zu mögen. Obwohl…

Bist du mit der Umwelt konform,
Dann könnte die Mühe sich lohnen:
Die Inhalte lassen sich klonen,
Entscheidend ist nur die Form –

Nach außen sickert nur die.
Man ist nur ein Part im Orchester,
Empfindet sich trotzdem als beste
Und leitende Melodie.

Manch einer braucht den Applaus,
Die meisten – nur die Zerstreuung
Und hätten nicht viel zu bereuen,
Gingen die Lichter aus.

Die Frage nach Sein und Schein
Beschäftigt zum Glück nicht jeden.
Erreicht man den Garten Eden
Nur selten und nur allein?

Vertrieben aus dem Paradies

Vertrieben worden aus dem Paradies,
Wir freveln nun vom Südpol bis zum Nordpol.
Ich frage mich: War wirklich nötig dies,
Gut überlegt und pädagogisch wertvoll?

Vielleicht ist unberechtigt die Kritik –
Ich habe auch von Führung keine Ahnung,
Doch einfach so, beim ersten Missgeschick,
Ohne Gespräch, Verweis und dritte Mahnung

Uns rauszuschmeißen, war wohl vehement,
Auch in Bezug auf mangelnde Erfahrung,
Das lückenhafte Fehlermanagement
Und fehlende Belegschaft Seminare.

Wo war zu dieser Zeit der Engelsrat,
Als wir erniedrigt aus dem Eden krochen?
Obwohl, als unser Chef dasselbe tat,
So haben auch nicht viele widersprochen.

Nicht jeder ist robust und resilient,
Doch leider Gottes wusste damals keiner,
Wie traurig endet das Experiment
Für alle Homo-Sapiens-Zweibeiner.

An die Stille

Der Bildschirm fesselt den Blick,
Belangloses fließt durch die Ohren,
Wir konsumieren Musik,
damit wir die Stille nicht hören.

Wir reden und sind uns bewusst
der ständigen Wiederholung,
Verstecken Misstrauen und Frust
In Floskeln vertrauter Hohlheit.

Wir lesen, und jeder Satz
Der Bücher sprechenden Stille
Ist ein gewollter Ersatz
Der eigenen Lebensidylle.

Die Einsamkeit schürt die Angst.
Verdrängt durch das bloße Getue
Erstickt, in der Tiefe verschanzt,
Das kostbare Schweigen der Ruhe.

Ein Malheur

Im Lande der vielen Schlösser,
Heines Werk auf der Spur,
Bin ich fest entschlossen,
Ein Scherflein zur deutschen Kultur
Unaufgefordert zu leisten,
Im Reimen ein bisschen geübt.
Man weiß, bei dem großen Meister
War Loreley sehr beliebt.
Auch ich bin ein deutscher Dichter,
Wenn auch aus Karaganda,
Und will von der Schönen berichten,
Doch leider ist sie nicht da!
„Du bist ja schließlich nicht Heine“, –
Spricht zu mir die Vernunft.
Trotzdem eine Gemeinheit
Gegenüber der Zunft!
Ich habe mir Urlaub genommen,
Die Flucht aus dem Alltag gewagt!
Jetzt stehe ich hier beklommen,
Vom Regen und Wind geplagt.
Was soll ich jetzt, bitteschön, dichten? –
Kein Weib, keine Leiche im Rhein.
Eine gescheite Geschichte
Fällt mir leider nicht ein.
Vorbei die romantischen Zeiten:
Kein Aufruhr, Kein Sturm und Drang,
Kein Ritter an meiner Seite
Und auch kein Minnesang.

Dann habe ich doch eingesehen:
Die Jungfrau gibt es nicht mehr,
dafür auf den Flüssen und Seen
Sicheren Schiffsverkehr.
Die Blonde könnte sich sparen
Die Show und das heikle Malheur,
Kämme sie ihre Haare
Daheim oder beim Friseur.
War es denn wirklich nötig
Lieder zu trällern am Rhein,
Deswegen fahrlässiger Tötung
Von allen beschuldigt zu sein?
Man hat schon für mildere Taten
Frauen zu Hexen erklärt.
Und soll ich euch `was verraten? –
Ich finde es auch unerhört!
Weiß auch nicht, warum und worüber
Ich eigentlich traurig bin?
Vielleicht verfasse ich lieber
Ein Loblied auf Balduin*.

* Erzbischof und Kurfürst, Mittel-Rhein, 14. Jahrhundert

Mozart und Rachmaninow

Der Sinn der dialektischen Gesetze
Erschließt sich mir mit jedem neuen Jahr.
Das Leben ist ein Kampf der Gegensätze,
Worin sie einig sind – nicht immer klar.

Zu wissen reicht nicht. Menschen müssen spüren
Die Grenze zwischen Gnade und Verstand.
Ich ging gebeugt durch viele Kellertüren,
Bis ich der Sonne gegenüber stand.

Der lange Weg war keine Zeitvergeudung:
Ich akzeptierte Kampf und Einigkeit,
Rachmaninow’s verzückte dunkle Freude
Und Mozart’s sündhaft helle Traurigkeit.